20* Die Tür zum Augenblick

*
20 Jahre jung. Wie hätte ich auch ahnen können, was vor mir liegt? Pläne hatte ich, Vorstellungen. Ich war gerade mal am Anfang des Weges zu meiner Berufung. Heute, rückblickend in meine Augen als Zwanzigjährige, in diesen damaligen Blick in die Kamera, ist mir jeder einzelne Augenblick kostbar, wenn auch noch immer nicht ganz bewusst. Manches braucht einfach Zeit und Geduld, um im Gesamtkontext erfasst werden zu können.
*
Es gibt Begegnungen, da macht es KLICK. Wie mit einem inneren Fotoapparat wird ein besonders wichtiger Moment festgehalten, und auf einmal sind alle Sinne wach und speichern das Bild als Erinnerung ab. Ein Erkennen, ein Aufblitzen, ein Erhellen in den Augen des Gegenübers sind eindeutig, dass dies geschehen ist. Es sind die Erinnerungen, die sofort präsent sind, sobald sie abgerufen werden. Bei anderen Momenten ist es schon schwieriger, sich an alles zu erinnern und als Bild zu reproduzieren. Je mehr Sinne involviert sind im Moment, je eindringlicher das Gefühl zu einem Moment herrscht, desto präsenter ist das Erinnerungsvermögen, dieses Bild oder auch innere „Foto“ abzurufen.
*
Da sitze ich nun, erwartungsvoll auf den nächsten Tanz, in einer Pause im Kursaal und schaue in die Kamera. Nichts auf diesem Foto lässt darauf schließen. Nur der Augen-Blick, der mir alles erzählt, weil ich in jenem Moment mit allen Sinnen präsent war in mir selbst. Ich schaue mich an, und die Zwanzigjährige in mir fragt: Bist du, wie ich mich mir vorgestellt habe? Habe ich meine Träume verwirklicht? Und ich antworte: Da waren viele, viele Träume, und das war gut so, davon habe ich etliche verwirklicht. Manche dauern etwas länger als geplant, und manche sind nicht mehr machbar.
*
Aber das Wichtigste erfüllt sich jeden Tag und ist um ein Vielfaches schöner als du es dir je hättest erträumen können.
*

*

*

Text 2015 © Simone Richter

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *