19* Die Tür zum Einlassen

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Eine Zeit der inneren Wandlung geht auch immer mit einer Zeit der äusseren Wandlung einher. Es sind unsichtbare Türen, die vom Innen nach Aussen und vom Aussen nach Innen durchschritten werden, und an der Schwelle wartet die Angst und das Vertrauen in die eigene Kraft, die Angst zu überwinden, indem wir uns selbst einlassen, mit uns selbst oder mit anderen.
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Kehrt man in die innere Welt ein, begegnet man sich selbst in allen möglichen Rollen und Verkleidungen, die man glaubt, spielen zu müssen.
In der äusseren Welt begegnet man seinem Spiegelbild, den Projektionen des Selbst.
Wie Spielfiguren wandeln wir durch die Welten eines anderen Menschen, wer die Spielregeln nicht kennt, nun, das kennen wir ja von den Spielen, die wir eindeutig als Spiele identifizieren, Brettspiele zum Beispiel. Hier geht es ums gewinnen oder verlieren, in der realen Welt aber geht es um viel mehr als das. Lassen wir uns ein, sind wir bereits über die Schwelle der Angst gegangen. Seinem Gegenüber zu begegnen ist immer wertvoll für die die eigene Entwicklung. Gemeinsamkeiten zu entdecken bedeutet, die Kraft zu potenzieren, sofern es klug gehandelt wird. Sich selbst im anderen zu entdecken ist der Schlüssel zur Selbstliebe.
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In der Weihnachtsgeschichte hat niemand sich auf Josef und Maria mit dem Christuskind eingelassen. Es sind Jahrhunderte durchs Land gegangen. Die Geschichten wiederholen sich wieder und wieder bis jeder einzelne über die Schwelle der Angst ins Urvertrauen gegangen ist und sich (selbst) einlassen kann.
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Text 2015 © Simone Richter

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