11* Die Tür zur Erinnerung

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Es ist keine Tür in dem Sinne, dass man sie körperlich durchschreiten kann, um in dem dahinterliegenden Raum Sinnvolles zu entdecken. Es sind gedankliche Türen, die ich heute geöffnet habe in meiner Ahnungslosigkeit, wie bewegend es sein wird.

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Wenn ich auf der Suche nach etwas Bestimmten bin und es nicht dort finde, wo ich es vermutet habe, dann gehe ich mit einem Adlerblick durch die Wohnung. Eigentlich macht das Spaß, denn bevor ich das Eigentliche finde, kann ich zig andere Dinge gleich mit einsammeln, die schon auf der Liste vermisster Teile stehen. Doch heute war das Besondere daran, dass ich gefunden habe, woran ich schon lange nicht mehr dachte: An einige meiner Träume.

Gedichte, die eine Vorschau auf kommende Zeiten waren, und heute kann ich sagen, es wurde alles wahr. Fotos, die Momente eingefangen haben im wirklichen Leben, aber noch nicht im Lebensbuch eingerahmt wurden. Liedtexte, zu denen zwar Melodien existieren, die aber noch nicht aufgeschrieben sind, um andere verzaubern zu können. Eine Schatzkiste voller Möglichkeiten.

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Woody Allen soll einmal gesagt haben, er habe so viele Drehbücher im Sinn, dass er sie als Kurznotiz auf einem Zettel aufschreibt und dann in eine Schublade steckt. Und wenn es an der Zeit ist, zieht er schon die eine richtige dieser Ideen heraus und setzt sie um.

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Das Entdecken oder Finden von Erinnerungen, Dingen oder auch Menschen ist ein ganz besonderer Moment, es ist Antwort und Frage zugleich, ein Moment des Ankommens und der Neuausrichtung, wie Puzzleteile, die nach dem Suchen endlich ineinander passen in diesem großen Bild eines jeden Lebens. Das Bild selbst jedoch, nicht wie es erhofft, sondern wie es wirklich ist, bleibt für Überraschungen bis zum Schluss hin offen.

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Text 2015 © Simone Richter

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