09* Die Tür zur Verspieltheit

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Es ist mir nie so wirklich aufgefallen, aber wenn ich die Tür zum Kinderzimmer öffne, bleibe ich meist länger als geplant hier drinnen. Meistens sind irgendwelche Welten aufgebaut, die sich über das ganze Zimmer erstrecken. In diesen Welten finde ich dann auch oft wieder, was ich bis dahin vergeblich gesucht habe, – das Nudelsieb, stellvertretend für eine Lichtkuppel oder die große Keramikschale, die zum Schwimmbecken umfunktioniert wurde.

Es macht Spaß, die Szenarien anzuschauen, und ich ertappe mich in meiner Verspieltheit dabei, dass ich hier in systemischen Aufstellungen weiterdenke.

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Im Spielen entfalten sich die Talente und Begabungen, welche später einmal für was auch immer im übertragenen Sinne wichtig sein werden. In der Natur zu sein, alles in ihr zu entdecken und selbst zu fühlen, was in der eigenen Bewegung erlebt wird ist das Normalste der Welt. Oder? Wenn ich Kindern begegne, die über einen langen Zeitraum am Tag an ihren Minicomputern spielen, dann kann ich beobachten, dass ihre Körper-Raum-Koordination auffällig dysfunktional erscheint. Das sind die Kinder, die sich hauptsächlich mit ihrem Handy oder ähnlichem beschäftigen. Sie sind meist blasser als andere Kinder, mit dunkleren Augenringen, leereren Blicken und ausdrucksloseren Gesichtern und häufigeren Infektanfälligkeiten. Aber als Avatar sind sie der Held! Strotzen vor Kraft und Intelligenz, lösen jede Aufgabe, erreichen das nächste Level.

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Aber was weiß ich schon, wofür diese Art zu spielen für diese später Erwachsenen einmal gut sein wird???

Also beobachte ich einfach weiter und bringe mich mit meinen Begabungen und Talenten ein, alle, die es möchten, daran zu erinnern, welche Kraft, Schönheit und Liebe in ihnen selbst steckt.

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Text 2015 © Simone Richter

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