03* Die Tür zur Fortbewegung

 

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An einem Tag voller Betriebsamkeit ist das wichtigste Hilfsmittel mein Auto. Unverzichtbar, wenn man kein Selbstversorger ist wie unsere Vorfahren. Innerhalb kürzester Zeit habe ich die Autotür über zehn Mal geöffnet, und dafür gab es sogar einen sorgfältig durchdachten Plan – den Einkaufszettel. Was für ein Alltagswahnsinn, wenn ich einmal genauer darüber nachdenke. Aber wer ländlich wohnt, muss vorausschauend einkaufen und Erledigungen tätigen.

Nicht lange nachdenken, machen. Ich steige also ein, um mich fortzubewegen, dabei bewege ich mich selbst fast gar nicht. Wieder einmal erledigt das die Technik der heutigen Zeit. Wie so vieles, was eigentlich nur dazu dient, den Menschen ihre natürlichen Ressourcen und Begabungen abzutrainieren.

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Auch gedanklich habe ich die Tür zur Fortbewegung geöffnet in der Vorfreude auf das Skifahren. Schnee! Kein grauer Matsch. Schneeballschlachten, Schlittschuhlaufen, einfach den Winter genießen, wie früher. Als der Schlitten noch ans Auto gehängt wurde und man in der Kurve auf dem Waldweg regelmäßig runter flog, obwohl man sich ganz fest vorgenommen hatte, sich ganz fest zu halten, um mit weniger blauen Flecken nach Hause zu kommen.

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Manchmal muss man sich auch fortbewegen, um wieder bei sich selbst anzukommen, fort von falschen Annahmen oder von eingefahrenen Mustern, hin zu dem, was wirklich sein kann, in den Fluss des eigenen Lebens. Dazu braucht es kein Auto, nur Ruhe von allen hektischen Fortbewegungen des Alltags.

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Text 2015 © Simone Richter

 

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