02* Die Tür zur Entspannung

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Die Tür zum Massageraum wurde mir geöffnet, das gehört zum Service dazu. Übertritt man die Schwelle, folgt nach dem Laminat ein Geräusche-schluckender Teppich, der für sich schon für Ruhe sorgt. Wo Teppich liegt, herrscht Behaglichkeit.

Das Licht ist leicht gedämpft, wir sprechen nicht. Während die zarten Hände kraftvoll die Muskeln erinnern, sich zu entspannen, gleiten meine Gedanken in eine andere Welt. Ich versuche sie aufzuhalten, einfach mal hier und jetzt zu sein, doch Gedanken wollen immer irgendwo hin, sie beamen sich in Nullkommanichts heraus aus dem Hier und Jetzt, und die Bilder machen das auch noch mit.

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Und so öffne ich, schon ganz entspannt, die Tür zu meinem Unterbewusstsein in Erinnerung an die Zeit meiner eigenen Ausbildung zur Wellnessmasseurin. Neben aller Technik erlernte ich vor allem eines: Das Sein im Tun. Die Präsenz der handelnden Hände entscheidet über den Grad des Entspannungserfolges. Sind die Gedanken der Handelnden hier irgendwo auf einer ToDo-Liste des Tages oder noch im Gespräch mit dem Chef, übertragen sich die Inhalte anteilig zwar nur auf einen telepathisch talentierten Kunden, das Gefühl als Folge angespannter Gedanken jedoch erspüren auch diejenigen, die weniger empathisch dahin gekommen sind.

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Die Gedanken sind so frei und bereits weiter durch die offene Tür der Ayurvedischen Massagepraxis geflogen, in der mein Körper samt Geist und Seele vor kurzem noch nach alter Tradition behandelt wurde. Nur einmal im Leben eine Ayurveda, schwärmte ich noch während meiner Ausbildung, und man weiß, weshalb man auf dieser Welt ist, weshalb wir so wundervolle Hände haben, die in der Präsenz den Körper zum Schweben bringen können. Alles, was vorher einengend sich angefühlt hat, hat keine Wichtigkeit mehr, der Geist kommt zur Ruhe, und es ist völlig egal, welche Besonderheiten der Körper aufweist, ob man vorher dachte, man sei zu dick oder zu dünn oder zu häßlich oder krank, um sich zeigen zu können.

Mit der Behandlung erfährt man wieder seinen wahren Wert.

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Ach ja! Mit meinem Erinnerungsseufzer komme ich wieder zurück nach dieser Gedankenreise, in der der ich so einige Türen durchwandert habe und irgendwie fühle ich mich ganz schön entspannt…

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Text 2015 © Simone Richter

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